Freisemester gemäß § 25 Abs. 2 Nr. 1–6 JAG NRW sind bei dem Justizprüfungsamt möglichst frühzeitig zu beantragen. Urlaubssemester der Universität sind für das Justizprüfungsamt nicht bindend.

§ 25 Abs. 2 JAG zählt abschließend auf, unter welchen Voraussetzungen Freisemester gewährt werden können. Unberücksichtigt bleiben nur volle Semester. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass gemäß § 25 Abs. 5 JAG NRW die Summe der nach § 25 Abs. 2 JAG NRW unberücksichtigt bleibenden Semester auf vier beschränkt ist. Dies gilt auch dann, wenn Ihnen in Unkenntnis bereits vorher anerkannter Semester mehr Freisemester bewilligt wurden.

1. Längere schwere Krankheit oder ein anderer zwingender Grund (§ 25 Abs. 2 Nr. 1 JAG NRW)

Fachsemester, während derer der Prüfling nachweislich wegen längerer schwerer Krankheit oder aus einem anderen zwingenden Grund am Studium gehindert war, bleiben bei der Berechnung der Fachsemesterzahl unberücksichtigt und gelten nicht als Unterbrechung. Im Falle der Erkrankung hat der Prüfling unverzüglich eine amtsärztliche Untersuchung herbeizuführen und mit der Meldung das amtsärztliche Zeugnis vorzulegen, das die medizinischen Befundtatsachen enthält, aus denen sich eine Studienunfähigkeit ergibt (§ 25 Abs. 3 JAG NRW).

Um ein Freisemester wegen Erkrankung gewähren zu können, muss der Prüfling durch ein amtsärztliches Attest nachweisen, dass er über einen längeren Zeitraum der Vorlesungszeit studienunfähig und damit völlig am Studium gehindert war.

Ein Hinderungsgrund ist insbesondere anzunehmen, wenn mindestens vier Wochen der Mutterschutzfrist in die Vorlesungszeit fallen (§ 25 Abs. 3 S. 1 JAG NRW).

2. Studiengangsverzögerung infolge einer Behinderung ( § 25 Abs. 2 Nr.2 JAG NRW)

Bis zu vier Semester können bei der Berechnung der Fachsemesterzahl für den sogenannten Freiversuch unberücksichtigt bleiben, wenn der Prüfling durch Vorlage geeigneter Nachweise eine Verzögerung seines Studienganges infolge einer Behinderung geltend macht.

3. Auslandsstudium ( § 25 Abs. 2 Nr. 3 JAG NRW)

Ein Auslandsstudium kann bis zu drei Semestern bei der Berechnung der für den Freiversuch maßgeblichen Fachsemesterzahl unberücksichtigt bleiben, wenn der Prüfling nachweislich an einer ausländischen Universität für das Fach Rechtswissenschaft eingeschrieben war und rechtswissenschaftliche Lehrveranstaltungen in angemessenem Umfang, in der Regel von mindestens acht Stunden je Woche, im ausländischen Recht besucht und je halbjährigem Studienaufenthalt mindestens einen Leistungsnachweis im ausländischen Recht erworben hat. Zum ausländischen Recht zählt auch Völker- und Europarecht sowie internationales Privatrecht, nicht jedoch der Kurs „Römische Rechtsgeschichte“.

Der Nachweis der Wochenstunden kann geführt werden durch Vorlage einer Bescheinigung der Universität über die Wochenstunden der einzelnen Kurse aber auch durch Vorlage des Kursbuches oder des Vorlesungskommentars, falls die Stundenzahl dort angegeben ist.

Sollten seitens der ausländischen Universität nur Blockveranstaltungen angeboten werden, muss eine Belegung von mindestens 96 Stunden nachgewiesen werden.

4. Fachspezifische Fremdsprachenausbildung ( § 25 Abs. 2 Nr. 4 JAG NRW)

Ein Semester kann unberücksichtigt bleiben für eine an einer inländischen Hochschule nachweislich erfolgreich abgeschlossene fremdsprachliche rechtswissenschaftliche Ausbildung, die sich über mindestens sechzehn Semesterwochenstunden erstreckt hat.

Ein Freisemester kann nicht bewilligt werden, wenn es aufgrund von Vorkenntnissen zu einer Höhereinstufung gekommen ist und somit keine sechzehn Semesterwochenstunden nachgewiesen werden können.

Bei Vorliegen der Voraussetzungen für mehrere Fremdsprachen kann pro Fremdsprache ein Freisemester gewährt werden.

5. Fremdsprachige Verfahrenssimulation / Moot Court ( § 25 Abs. 2 Nr. 5 JAG NRW)

Für die Teilnahme an einer Verfahrenssimulation, die von einer inländischen oder ausländischen Hochschule in fremder Sprache durchgeführt wurde, bleibt ein Semester bei der Berechnung der Fachsemesterzahl unberücksichtigt, wenn sechzehn Semesterwochenstunden besucht wurden und ein Leistungsnachweis erworben wurde. Insbesondere dass in der erforderlichen Wochenstundenzahl an fremdsprachigen Veranstaltungen teilgenommen wurde, ist durch eine Bescheinigung der Universität nachzuweisen.

Sofern die Teilnahme an einem Moot Court Teil der Schwerpunktbereichsprüfung ist, führt dies dazu, dass das entsprechende Semester auf die Freischussfrist anzurechnen ist (kein Freisemester). Ein Leistungsnachweis kann nicht zugleich als Beleg der Voraussetzungen des § 7 Abs. 1 Nr. 2 JAG NRW (Zwischenprüfung) oder des § 28 Abs. 3 S. 3 JAG NRW (Schwerpunktbereichsprüfung) eingesetzt werden (§ 25 Abs. 4 JAG NRW).

6. Gremien- und Hochschultätigkeit (§ 25 Abs. 2 Nr. 6 JAG NRW)

Für die Mitgliedschaft in gesetzlich oder durch die Grundordnung vorgesehenen Gremien der Hochschule oder Wahrnehmung des Amtes der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten können bis zu drei Semestern unberücksichtigt bleiben. Die bloße Mitgliedschaft im Gremium reicht nicht aus. Um ein Freisemester zu erhalten, muss eine Tätigkeit über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten mit einem Zeitaufwand von mindestens fünfzehn Stunden pro Woche durch eine Bescheinigung des Dekans der Fakultät nachgewiesen werden.